Die Profi-Kolumne Dr. Hans-Georg Kny, Siemens Professional Education

Dr. Hans-Georg Kny schreibt exklusiv für message!

   
   

Nein, die Schüler sind heute nicht dümmer als früher!

   
   

Von Dr. Hans-Georg Kny

Siemens Professional Education

   
   

Die allgemeinen Vorwürfe sind bekannt: „Früher, ja früher, da konnten die Schüler/-innen noch ganz andere Dinge. Sie waren fachlich viel besser als heute und besaßen vorteilhaftere Umgangsformen …“. So kann man diese Behauptungen mit Sicherheit nicht stehen lassen, denn in Summe wissen die Schüler heute in keinem Falle weniger als früher. Der Unterschied liegt in den beiden Worten „in Summe“.

Vergleichen wir kurz die Zeiten der 60er- und 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts mit denen von heute. Damals war die Medienwelt auf wenige Fernseh- und Radiosender und ein paar Printmedien begrenzt. Pro Haushalt waren weniger Autos zugelassen, und das öffentliche Verkehrsnetz war noch nicht so weit wie heute ausgebaut. Die internationale Welt eines www war ebenso unbekannt wie ein Handy. Ein Buch galt tatsächlich noch als Informationsmittel, ein Lexikon stand in jedem Bücherschrank. Generell war das Konsum-, Waren- und Freizeitangebot für Jugendliche deutlich kleiner als heute. Zusätzlich prasseln bis zu 1.000 Werbebotschaften täglich an sie heran. Mit anderen Worten: Mehr denn je wird den Jugendlichen heute ein riesengroßes und buntes Paket an Abwechslungschancen präsentiert.
 
Noch ein Punkt: Die Medien vermitteln heute (zu) viele Infos über Menschen, Ereignisse Dinge und Nebensächlichkeiten, die im Prinzip fast niemanden interessieren. Sie werden dennoch gelesen und bedacht, belegen damit „Denkkapazitäten“ im Kopf und lassen somit weniger Platz für das wirklich wichtige Wissen. Auch darunter leiden die Schüler/-innen. Zu diesen Faktoren gesellt sich eine weitere Entwicklung, die Halbwertszeit des Wissens wird immer kürzer. Mit dieser wird angegeben, wie lange das erworbene Wissen zeitgemäß und damit aktuell ist. So geht man davon aus, dass rund die Hälfte des Schulwissens nach 20 Jahren veraltet ist. In speziellen Bereichen dagegen (IT, Medien) ist das Wissen jedoch bereits nach ein bis drei Jahren nicht mehr aktuell. Auch von diesen Tendenzen sind die Schüler/-innen betroffen.
 
Viele Zeilen – kurzer Sinn: Die Wissensbreite bei Schülern/-innen ist heute sicher größer als noch vor 30 Jahren. Nur: Damit werden Notendurchschnitte und Schlüsselqualifikationen nicht automatisch besser, sondern vermutlich eher (etwas) schlechter. Deshalb sollten sie – trotz aller Ablenkungen:
- ihr Allgemeinwissen tiefer werden lassen,
- die deutschen Grammatik- und Kommaregeln sowie die Rechtschreibung beherrschen,
- ihre Englisch-Kenntnisse perfektionieren,
- die Logik in Mathematik und Physik begreifen,
- sich teamfähig machen und
- sich motiviert und frühzeitig auf das Leben nach der Schule vorbereiten. (kny)

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Über den Autor:

Dr. Hans-Georg Kny

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